Schlagwort-Archive: Kapitalismus

Klimakemp in CZ ein voller Erfolg!

Vom 21. – 25.Juni 2017 fand das erste „Klimakemp“ in der Tschechischen Republik in Horní Jiřetín statt, dort wo das Ziel meiner Biketour im vergangenen Jahr war. Meine Genossin Mici hat im FICKO-Magazin einen großartigen Bericht veröffentlicht, den ich euch unbedingt ans Herz lege. Die transnationale Klimabewegung ist nicht aufzuhalten! Limity jsme my! Ende Gelände! System change not climate change!

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Der Konsens der Mitte ist ein Problem.

Der 1. Mai wurde in Plauen wieder einmal vom „Dritten Weg“ und anderen neonazistischen Gruppen für ihre rechte Propaganda missbraucht und sie konnten diese, wenn auch nicht so lang wie von ihnen vorgesehen, mit ihrem Aufmarsch präsentieren. Am Ende des Tages gab es eine Straßenschlacht mit der Polizei, mehrere angegriffene Gegendemonstrant*innen und nicht geahndete volksverhetzende Sprüche („Merkel ins KZ“) im Rahmen des sogenannten „Arbeiterkampftag“ zu verzeichnen.

Ich möchte in den folgenden Zeilen nicht konkret auf den miserablen Polizeieinsatz eingehen, der wieder einmal ein trauriges Symbolbild für die sächsischen Verhältnisse war, sondern viel mehr den Blick auf den Konsens der sogenannten „Mitte“ richten, der letzten Endes eine große Mitschuld am gesellschaftlichen Rechtsruck trägt. Unter dem Konsens der Mitte kann man eigentlich sehr viel verstehen. Da sind zum einen CDU-Politiker, die mit Pegida und Co. Bündnisse schmieden wollen, Kommunalpolitiker, wie der Plauener OB Ralf Oberdorfer (FDP), der das völkisch-nationalistische Bündnis „Wir sind Deutschland“ lobt und mit ihnen kooperiert, und viele andere aus den einzelnen etablierten Parteien, die besorgten Bürgern mit ihren Phrasen hinterher rennen. Ich möchte damit nicht sagen, dass alle möglichen parlamentarischen Fraktionen voller Rassist*innen sind, sondern, dass bei immer mehr Personen der Öffentlichkeit der Opportunismus schlichtweg größer ist, als der Mut sich auch in diesen Zeiten klar gegen jede Art gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und deren Fans Stellung beziehen.

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Der nationale Gedanke bekommt immer mehr Anhänger – in allen politischen Lagern. Ob man ideologisch von der Stärke einer Nation schwafelt, so wie es Nazis tun, oder als „linker“ von Asyl-Obergrenzen redet und dass mit sozialen Problemen innerhalb eines Nationalstaates , so wie Oskar Lafontaine es tut, um das Denken an die Nation und deren Wohlbefinden geht es ihnen allen. Und so ein starker Nationalstaat, wie Deutschland, steht natürlich total in Gefahr  durch Extremismus jeglicher Coleur, wenn man Sven Gerbeth (FDP-Stadtrat, Plauen) Glauben schenken würde. Es schien als hätte die Extremismustheorie in den letzten Jahren an Macht und Einfluss verloren. Doch sobald sich linksradikale Proteste wieder formieren wird sie aus der Schublade geholt und als scheinbares Totschlagargument verwendet. Der 1. Mai in Plauen hat im Nachgang für viele solcher Momente gesorgt, in denen Personen des öffentlichen Lebens Links und Rechts gleichsetzten. Im gleichen Atemzug sehen die selben Leute „Wir sind Deutschland“ nicht als rechtes Problem an, obwohl diese Gruppierung schon zahlreiche Beispiele an Rassismus und Antisemitismus geliefert hat.

Den nationalen Konsens brechen!

Egal in welchem Thema, ob Ökologie, Wirtschaft, Soziales, Flucht und Migration, nationale Lösungsansätze werden immer dafür sorgen, dass es nie um das gesamte Probleme geht und dass es auch zur Ausgrenzung und Diskriminierung von einzelnen Gruppen kommen wird. Der Blick muss auf das Ganze gerichtet werden. Und das ganze ist schlichtweg der Kapitalismus als System. Selbst wenn einzelne Konflikte auf der Welt politisch gelöst werden sollten, wird es trotzdem weiterhin zu Migrationsbewegungen nach Europa kommen. Selbst wenn jetzt Vattenfall nur noch riesige Windparks bauen sollte, wird es trotzdem noch ungerechte Energieversorgung geben und der Klimawandel wird national definitiv nicht zu bekämpfen sein. Kapitalismus und Nationalismus gehören auf den Müll! Ob Nazis, CDU, FDP, GRÜNE, SPD oder Linkspartei – Nationalismus ist keine Alternative!

„Fair“ ist nicht immer fair

Der Faire Handel besteht nun schon seit mehr als 40 Jahren in ganz unterschiedlicher Form. Am Anfang waren es Aktionen und Kampagnen, wie „Jute statt Plastik“ in den 70er Jahren oder der Nicaragua-Kaffee im Laufe der 80er Jahre. Es gründeten sich die ersten sogenannten Dritte Welt Läden, Eine Welt Läden oder einfach Weltläden. Aktuell lassen sich 800 davon und 3.000 Aktionsgruppen in Deutschland zählen. Auch Produkte mit einem Fair Trade Siegel sind mittlerweile in jedem Supermarkt zu finden.  Von 2005 bis 2014 hat sich der Gesamtumsatz des Fairen Handels in Deutschland nahezu verzehnfacht. Ein Grund dafür ist die Imagepflege der Unternehmen. Große Konzerne schmücken sich mit dem Siegel von Transfair. Auch wenn fairer Handel im Mainstream angekommen ist, muss er viel Kritik einstecken – und das zu Recht. serveimage

Zwar rühmt man sich mit einer Verbesserung der Lebens und der Arbeitsbedingungen im globalen Süden, dennoch wird eine Missachtung der ArbeitnehmerInnenrechte im Norden ermöglicht bzw. zugelassen. Beispiele dafür sind die Konzerne Lidl und Starbucks. Bei Starbucks wird schon seit über 10 Jahren Kaffee mit Transfair-Siegel ausgeschenkt und dennoch kündigte der Konzern mehreren MitarbeiterInnen in den USA, als diese sich gewerkschaftlich organisieren wollten. Bei Lidl wurden Betriebsratsgründungen verhindert und schlechte Arbeitsbedingungen stehen schon seit Jahren in der Kritik. Dennoch konnte sich der Konzern das Transfair-Siegel für einige Produkte einkaufen. Der Faire Handel macht sich dadurch immer unglaubwürdiger. Er verspricht, dass eine bessere und gerechtere Welt käuflich wäre und versucht sich im Kapitalismus lediglich zu integrieren. EL PUENTE, GEPA und andere Händler aus der Weltladenbewegung bleiben dem Transfair-Siegel deshalb fern und setzen auf eines neues Label der „World Fair Trade Organization“ und damit auf partnerschaftlichen Handel. Einerseits reichen ihnen die Standards von Transfair nicht mehr aus und andererseits wollen sie davon wegkommen, dass der Faire Handel nur ein Marketingkonstrukt von Konzernen ist.

Der Faire Handel startete einst mit dem Ziel einen gerechten Welthandel zu schaffen, doch jetzt wird er immer mehr ein Zahnrad im Getriebe des globalen Kapitalismus. Auch wenn das Zahnrad vielleicht schöner aussieht als die anderen. Der Faire Handel kann zwar Verbesserungen für Einzelne herbeiführen, aber nicht für alle. Deshalb braucht es einen tieferen Einblick in die Materie des globalen Handels und die Erkenntnis, dass der Kapitalismus als System schlichtweg immer für Ungleichheit und Ungerechtigkeit sorgen wird. Die Ideologie des Marktradikalismus und Neoliberalismus, die zum Kapitalismus gehört, muss daher überwunden werden und die Argumente dafür liegen ja vielfach auf der Hand, wenn man sich mit Kinderarbeit, Hungerlöhnen und Co auseinandersetzt. Der Faire Handel und die Bewegung um ihn, die sich mit diesen Themen beschäftigen, müssen daher selbstkritisch und aufklärerisch agieren. Und genau bei der Aufklärung zu den jeweiligen Produkten und Standards liegt die Stärke der Weltladenbewegung, die sich auch weiterhin leidenschaftlich mit dem Thema Fairer Handel verbunden fühlt und ihn dafür nutzt, kritisches Nachdenken bei den KonsumentInnen anzuregen. Aufklärung kann in keinem Supermarkt oder Discounter geleistet werden.